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italia&amore

DIE FASZINIERENDE GESCHICHTE

italia&amoreWieso habe ich nicht einfach meine Klappe gehalten? Ganz einfach, weil ich das normalerweise nachts um eins nach drei Flaschen Wein nie tue. Doch diesmal hatte es unabsehbare Folgen. Unsere nicht enden wollende Diskussion, ob die Gerichte bei unserem gemeinsamen Restaurantbesuch „italienisch“ gekocht waren, beendete ich mit dem Vorschlag, meine Freunde am folgenden Tag originalgetreu italienisch zu bekochen. An dieser Stelle muss ich vorausschicken, dass ich als gebürtiger Italiener und damals „Neu-Schweizer“ noch nicht mit den Gepflogenheiten der Schweizer Lebensmittelversorger vertraut war, de facto hatte ich keine Ahnung, wo ich in der Schweiz italienische Qualitätslebensmittel hätte besorgen können. Soweit, so gut. Der Termin stand fest, eine Küche wurde mir zur Verfügung gestellt, also hieß es erstmal einkaufen gehen. Aber wohin? Ich suchte verzweifelt nach jenen Spezialitäten, die mir vorschwebten, doch leider vergebens. Man sagte mir aber „vielleicht finden Sie das in Zürich“, doch ich hatte weder die Zeit, noch die Lust, nach Zürich zu fahren. Sie fragen sich sicher, was ich denn ach so Besonderes gesucht habe. Ich wollte einfach nur gute Teigwaren, ein gutes Olivenöl, einen qualitativ hochwertigen Reis. Und natürlich wollte ich meinen Gästen auch zeigen, was ein originaler Espresso all’italiana ist. Mein Menüplan wurde radikal geändert, ich kaufte einfach das, was der Markt hergab. Gott sei Dank hatte ich ein paar gute Weine im Auto, so wurde über das Essen kaum gesprochen. Jetzt verstand ich endlich, warum sich meine Freunde und Kunden immer so sehr über einen Karton original italienischer Pasta oder Olivenöl freuten, die ich ihnen als Geschenk mitbrachte. Viel mehr, als über einen Karton Wein, der doch viel teurer ist! Klar, denn Wein, und sei er von noch so einem versteckten Weingut, den werden Sie in der Schweiz finden, denn da hat die Schweiz sicher keinen Nachholbedarf. Dies alles war für mich ziemlich erstaunlich, blieb aber zunächst ohne Folgen. Denn erstens war ich als Weinhändler gut ausgelastet, und zweitens verspürte ich wenig Lust, Nudel und Oliven zu verkaufen.

Im Herbst 2009 durfte ich mal wieder Gast eines kochverrückten Schweizer Ehepaares sein und irgendwann fiel das Gespräch – wie kann es auch anders sein – auf gutes Essen. Da die beiden Insider des Schweizer Detailhandels sind, platzte ich irgendwann mit der Frage heraus: „Ja, hätten denn italienische Qualitätslebensmittel wirklich eine Chance in der Schweiz? Suchen bzw. vermissen es die Menschen?“ Die klare Antwort ihrerseits war JA! Von nun an war ich infiziert. Begann mir Gedanken zu machen über das Wie und Was. Es war mir klar, dass es etwas Besonderes und Einzigartiges sein musste. Etwas Echtes und Unverfälschtes.

Also
musste ich mal eine längere Italienreise unternehmen, um das authentische, spannende, vor Geschmackserlebnissen nur so strotzende Italien zu suchen, das ich glaubte, bereits zu kennen. Gibt es das noch? Jaaaaa, und wie!!! Ich benötigte super Kontakte, gute Mitarbeiter, die mich ersetzten, viele Tipps, sechs Monate Zeit, mittlerweile drei Mal rund 6.000 Kilometer mit dem Auto und dazu eine gute Spürnase, aber ich habe es gefunden: tolle Menschen, die stolz auf ihr Land, ihre Heimat und ihre Kultur sind, auf ihr Terroir und ihren Boden, der ihnen ermöglicht, nach alten Traditionen und von der Natur inspiriert zu leben und zu arbeiten. Menschen, die ihre Leidenschaft und ihr Hobby zum Beruf machten. Das alles haben diese sonst total unterschiedlichen Personen gemeinsam, die ich auf meinen Reisen kennen lernen durfte.

Der Blick hinter die Kulissen.
Natürlich wollte ich auf dieser Reise etwas über die Zusammenhänge zwischen gerechter Produktion, guter Qualität und echte, unverfälschte Genüsse erfahren. Aber vor allem etwas über die Menschen, die dahinter stehen und mit viel Liebe, Herzblut und Enthusiasmus das tun, was sie am besten können, nämlich handwerklich Lebens- und Genussmittel herstellen, die ihren Wertvorstellungen entsprechen. Und während ich diese Menschen besuche, merke ich schnell, dass die Realität dieser für mich so einzigartigen Menschen oft nicht so rosig ist, wie es auf den ersten Blick scheint. So erzählen sie mir von der Industrie, die sie mit billigsten Preisen an die Wand drückt, von Händlern, die sich wenig für Qualität interessieren und auch von Konsumenten, die sich offensichtlich wenig Gedanken darüber machen, was sie essen und wie diese Billigstpreise zustande kommen. Konsumenten, die den Irrglauben haben, dass immer billigere Preise durch größere Mengenabnahmen und somit niedrigeren Kosten realisierbar sind. Das ist ein kompletter Schmarrn! Diese Ressourcen sind längst erschöpft. Billigere Preise gehen immer mit einer Qualitätsverminderung einher. Während der Lebensmittelmarkt zu einem großen Teil von Billigware geprägt ist, müssten doch hochwertige Nischenprodukte in zunehmendem Maße zum geschäftlichen Erfolgsrezept werden? Jein, stimmt nur zum Teil. Denn diese Kleinsterzeuger arbeiten lieber auf ihren Feldern, als sich um Vermarktung und Vertrieb zu kümmern. Ginge auch gar nicht, denn meistens sind die „Mitarbeiter“ ihrer Betriebe die eigene Familie. Natürlich kann es nicht sein, dass jemand, nur um gute Lebensmittel zu finden, dafür Tausende von Kilometern fahren muss, auch ist es für einen Kleinstproduzenten schwer möglich, Zollformalitäten, Logistik, Bürokratie, usw. selbst zu organisieren. Trotzdem will ich mich mit der Situation nicht abfinden, dass es auf der einen Seite unglaublich tolle Produkte gibt, auf der anderen Seite Menschen, die sie gerne haben würden, aber offensichtlich nicht zueinander finden. Schließlich sprechen wir hier nicht von irgendwelchen überflüssigen Luxusprodukten, sondern von dem, was wir täglich essen. Man hört immer, der Mensch wird stets egoistischer – wird auch stimmen. Aber offensichtlich hört der Egoismus dann auf, wo er endlich mal einen Sinn hätte: sich selbst nur das Beste zu gönnen. Selbst seinem Auto gönnt man nur das beste Motoröl für 30 CHF oder mehr, aber seinem eigenen Körper mutet man billigstes Industrieöl für 7 CHF zu. Diese ganzen Überlegungen lösten in mir etwas aus.

Der Gedanke italia&amore war geboren. italia&amore soll einen Impuls geben, etwas zu verändern, zum Nachdenken über uns selbst und unser Essverhalten anregen, und dafür, wie wir mit unserem Körper umgehen. Und im Umkehrschluss die Herstellung unserer Lebensmittel wieder denen übertragen, die über Jahrhunderte bewiesen haben, dass ihnen die Natur am Herzen liegt: den Bauern und den zusammenarbeitenden Kleinstbetrieben. Natürlich haben wir das Rad nicht neu erfunden. italia&amore steckt noch in den Kinderschuhen, wir arbeiten aber daran, uns stetig zu verbessern, und seien es auch noch so „unwichtige Dinge“, wie zum Beispiel das komplette Verzichten auf Zusatzstoffe.

Eines Tages verschlug es mich nach Ligurien. Ausgestattet mit einem guten Tipp suchte ich den kleinen Ort Gazzo d’Arroscia, gelegen an der ehemaligen Salzstraße, die von Ligurien über die Berge ins Piemont führt und in keinem Navi der Welt zu finden ist, zumindest nicht in meinem. Ganze 50 Einwohner zählt der Ort, malerisch an einem Berghang gelegen, Olivenbäume, soweit das Auge reicht, die meisten davon über 300 Jahre alt. Ich treffe mich mit Marco Ferrari, der mich in seinem Restaurant willkommen heißt, und bei einem guten Glas Wein erzählt er mir seine faszinierende Geschichte. Er fragt, ob ich die teilweise verlassenen Häuser gesehen habe und begründet mir dies damit, dass immer mehr Menschen den Ort verlassen, denn es gibt kaum Arbeitsplätze. Zum Arbeiten pendeln die meisten nach Imperia, rund 30 bis 40 Minuten mit dem Auto, und das bitte hin und zurück. Irgendwann bleiben sie halt auch zum Leben dort. Schade, der Ort ist so schön und trotzdem zum Aussterben verdonnert. Marco erzählt, dass er der einzige private Arbeitgeber im Ort ist, die Gemeinde sogar eigens eine Kommission bilden musste, um ihm die Konzession für seinen Betrieb zu erteilen – man stelle sich das mal vor! Aber mittlerweile kann er schon acht Personen eine Arbeit geben. Und das das ganze Jahr über, denn sie machen alles selbst, von der Pflege der Olivenhaine (alles steilste Terrassenanlagen) bis zur Herstellung des so köstlichen Pesto. Und damit nicht genug, denn am Wochenende, wenn sich andere an den Strand legen, öffnet Marco mit seinen Mitarbeitern sein Restaurant, eine klassische italienische Trattoria, die sein Urgroßvater vor über 120 Jahren hier eröffnet hat. Seine Sekretärin ist dann eben die Serviertochter, sein Magazineur der Abspüler und er selbst steht in der Küche. Aber Marco wäre nicht Marco, würde er nicht über den Tellerrand hinausschauen und auch anderen helfen. Er erzählt mir vom berühmten Knoblauch „Aglio di Vessalico“, den er in seinem Pesto verwendet und den nun auch Slow Food unter seinen Schutz gestellt hat. Davon können weitere sechs Familien leben und in ihrem Ort bleiben. Das sind nicht einfach nur Arbeitsplätze, sondern die dort lebenden Menschen dürfen das machen, was sie lieben und können. Davon überzeugt, dass mit so viel Hingabe, Leidenschaft und Heimatliebe produzierte Lebensmittel einfach nur gut sein können, habe ich fast das gesamte Sortiment ins Projekt italia&amore aufgenommen. Denn es ist mir eine unglaubliche Freude, diesen Menschen eine Zukunft garantieren zu können. Nach diesem Besuch war mir endgültig klar, welche Aufgabe italia&amore hat. Klar, dass ich gesunde Lebensmittel in die Schweiz bringen will, aber das alleine reichte mir jetzt nicht mehr. Mir wurde bewusst, was wir mit unseren kleinen Möglichkeiten Großes für andere tun können. Denn wenn wir diese Menschen nicht unterstützen, dürfen wir uns morgen nicht beschweren, wenn es sie nicht mehr gibt. Sechs Familien hier, acht Familien dort, mag wenig erscheinen, aber multipliziert können wir uns gegen eine immer größer werdende Globalisierung mit ihrer immer größer werdenden Auswirkung wehren. Diese Kraft muss von uns Konsumenten ausgehen.

Seit diesem Zeitpunkt waren italia&amore mehr als einfach nur zwei Worte.



Norbert Kier

Gründer von italia&amore